Das 4-Stunden Startup

„Große Flut entspringt aus kleinem Quell“, heißt es bei Shakespeare. Wer eine Vorstellung vom Zinseszins hat, weiß um die große Wirkung kleiner Dinge über die Zeit (auch wenn Nullzinspolitik und Negativrenditen die Bedingungen erschwert haben). Experten für Zeitmanagement können sekundieren, denn sie wissen: der Schlüssel zum Erreichen anspruchsvoller Ziele ist gute Planung und Beharrlichkeit, nicht Aktionismus.

Und so sind zum Beispiel vier Stunden pro Tag der Einsatz für den nebenberuflichen Aufbau eines Startup-Unternehmens. Das zumindest ist der Leitgedanke des neuen Buchs von Felix Plötz, der seinen Lesern zudem das Versprechen gibt, ihnen zu zeigen, wie sie ihre Träume leben können, ohne zu kündigen.

Dabei kommt es – Buchtitel sind bekanntlich Teil des Marketings – nicht so sehr auf die exakte Stundenzahl an, sondern auf Kontinuität (siehe oben). Desweiteren ist freilich entscheidend, was in den – aufs Jahr hochgerechnet – über 1000 Stunden passiert, damit aus Träumen Realität wird.

Einblicke in die Karrieren interessanter Gründerpersönlichkeiten

Genau dafür liefert Plötz genügend ‚Futter‘. Als jemand, der nicht nur selbst seinen Traum vom erfolgreichen Startup in die Tat umsetzen konnte, sondern das gleich mehrmals schaffte, ist er berufen, zu dem Thema zu referieren. Sein Buch ist reich an Einblicken in die eigene Karriere und die von weiteren, interessanten Persönlichkeiten.

Darunter die Gründer von DeinBus, die das Personenbeförderungsgesetz von 1934, einen Monopolschutz für die Bahn, zu Fall gebracht haben – Voraussetzung für die Entstehung der Fernbusbranche in Deutschland. Eine Art David-gegen-Goliat-Geschichte.

Ein anderes Kapitel beleuchtet die Entstehung der schließlich an Xing verkauften Plattform Lebenslauf.com. Der spannende Case zeigt, wie durch Zufall Marktlücken identifiziert werden und großartige Projekte entstehen können. Was ursprünglich die Antwort auf die Bitte um Hilfe im Freundeskreis bei der Erstellung eines Lebenslaufs war, nutzen nun jeden Monat Zigtausende.

Praxistipps für angehende Entrepreneure

Großen Nutzen kann man auch aus den vielen Praxistipps ziehen, mit denen das Buch aufwartet. Oder wüssten Sie im Detail, wie man einen Unternehmensnamen kreiert, ein Gestaltungskonzept entwickelt oder wie das mit Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung funktioniert, wenn man neben dem Teilzeitjob den Schritt in die Selbständigkeit wagt?

Auch die nicht ganz unwichtige Frage, wie man Kunden findet, wird behandelt. Was zum finanziellen Aspekt überleitet: Der Kontostand ist nicht der primäre Maßstab, nach dem Plötz den Erfolg entsprechender Aktivitäten misst. Vielmehr liegt das Hauptaugenmerk auf Selbstverwirklichung, die im Hauptberuf manchmal zu kurz kommt.

Plötz spricht in dem Zusammenhang auch von einem „großen gesellschaftlichen Umbruch“, der die Arbeitswelt verändern wird, und glaubt, dass sich das Modell auf breiter Ebene durchsetzen wird.

Dem kann man folgen, muss man aber nicht. Dem Charme des gut gegliederten und flott geschriebenen Gründer-Ratgebers tut es keinen Abbruch. Der Möglichkeit, eine aus Idealismus oder Leidenschaft geborene Idee doch in ein einträgliches Geschäft zu verwandeln, ebenso wenig.

Fazit

Beim Gründen gilt wie auch sonst im Leben: Aller Anfang ist schwer und der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Das Buch kann eine wertvolle Unterstützung sein, bewahrt jedoch nicht vor der Herausforderung, die eigenen, oft genug frustrierenden Erfahrungen zu machen.

Mit dem Sicherheitsnetz eines parallel ausgeübten „Brotjobs“ sollten sich die Risiken in Grenzen halten; was hingegen die Chancen betrifft, so hängt alles davon ab, einmal mehr aufzustehen, als hinzufallen. So wird man hoffentlich irgendwann – dem Titel jenes Shakespeare-Stücks entsprechend, aus dem das Eingangszitat stammt – sagen können: „Ende gut, alles Gut.“

Das 4-Stunden-Startup: Wie Sie Ihre Träume verwirklichen, ohne zu kündigen. Felix Plötz, Econ, ISBN 978-3430202022, 1. Auflage 2016, 256 Seiten, ca. 17 €

Michael Graef

2017-08-04T15:48:04+00:00