Demographie und Digitalisierung: Corporate Health im Wandel

Von Sabine Lichtenegger

Flexible Arbeitszeiten zu Gunsten der Familie, frisches Obst als Pausensnack und Sabbaticals als Selbstverständlichkeit: Bereits viele Unternehmen sind versucht, ihren Mitarbeitern eine gute Work-Life-Balance zu ermöglichen. Doch die eigentliche Herausforderung für Corporate Health liegt im demographischen Wandel unserer Gesellschaft. Denn fast die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland sind über 45 Jahre alt – eine Entwicklung, auf die das betriebliche Gesundheitsmanagement reagieren muss.

Schaut man sich in den Startup-Hochburgen oder Kreativwirtschaften um, ist von einer alternden Bevölkerung in den Teams aus Young Professionals wenig zu spüren. Allerdings sieht die Realität in vielen Bereichen anders aus: Knapp die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer sind über 45

[1] und stehen noch mindestens zwanzig Jahre im vollen Erwerb. Ob am Schreibtisch, im Verkaufsraum oder unterwegs im Außendienst – besonders ältere Mitarbeiter befinden sich in einer physischen und psychischen Doppelbelastung: Fast die Hälfte der circa 3,9 Millionen Personen, die sich derzeit um hilfs- oder pflegebedürftige Angehörige kümmern, sind berufstätig und älter als 45 Jahre. Obwohl diese Mitarbeiter statistisch gesehen nicht häufiger ausfallen als ihre jüngeren Mitstreiter, sind ihre krankheitsbedingten Fehlzeiten deutlich länger.

Ein Grund mehr für Entscheider, in ein internes Gesundheitsmanagement zu investieren. Denn viele Erkrankungen oder Symptomen – z. B. chronisch verspannte Rückenmuskulatur, schwere Beine oder die Bewältigung von Stress – lässt sich mit einfachen und regelmäßigen Maßnahmen auch direkt am Arbeitsplatz vorbeugen.

Um das volle Potential aus einem internen Gesundheitsmanagement zu schöpfen, gilt es neben den unterschiedlichen Generationsbedürfnissen und Touchpoints vor allem folgende Punkte zu beachten:

1. Ein stärkeres Bewusstsein schaffen

Die Deutschen beschäftigen sich immer mehr mit ihrer Ernährung und körperlichen Fitness. Dieses neue Gesundheitsbewusstsein ist nachhaltig in der Gesellschaft angekommen – im Privatleben und auch im Job. Frisches Obst in Bio-Qualität, regelmäßige Massagen oder Yoga-Sessions als Team-Event werden von Arbeitgebern gefördert und von der Belegschaft gerne angenommen. Allerdings fordern Stressphasen, längere Arbeitstage und konstantes Multitasking besonders älteren Mitarbeitern ein hohes Pensum ab.

Auch jüngere Mitarbeiter neigen in solchen Situationen dazu, sich in geläufigen Mustern zu bewegen: Einseitige Bewegungen und Belastungen, ungesunde Snacks als Konzentrations-Boost gegen das Nachmittagstief oder zu wenig regenerativer Ausgleich.

Laut CDC machen chronische Krankheiten 75 Prozent der gesamten Gesundheitskosten aus. Besonders Führungskräfte stehen heute mehr denn je in der Verantwortung, ihre Mitarbeiter dabei zu unterstützen, Privatleben und Karriere nachhaltig in Einklang zu bringen. Ein internes Gesundheitsmanagement sollte die Mitarbeiter nicht nur sinnvoll abholen, sondern auch einen für sie erkennbaren Fortschritt mit realistisch umsetzbaren Schritten aufzeigen, um einen tatsächlichen Verhaltenswechsel voranzutreiben.

2. Die Macht der Gewohnheit durchbrechen

Hinter dem Erfolg eines Corporate Health Programms steht nicht nur eine Strategie, sondern insbesondere auch ein Rahmen, der kurz- und langfristige Ziele für Mitarbeiter und Führungskräfte skizziert. Damit das Programm entsprechend Früchte trägt, braucht es Zeit und vor allem flexible Bedingungen, um sich an die unterschiedlichen Bedürfnisse des jeweiligen Mitarbeiters anzupassen. Produktionsmitarbeiter klagen zum Beispiel häufig über monotone, einseitige Bewegungen, die mit bestimmten körperlichen Übungen ausgeglichen werden können. Werdende Mütter hingegen können in ihrer Schwangerschaft mit speziellen Yoga- oder Pilateskursen unterstützt werden.

Oftmals unterschätzen sowohl Mitarbeiter als auch Entscheider selbst die Macht der Gewohnheit. Viele Verhaltensmuster haben sich über Jahre hinweg eingeschliffen. Die meisten ließen sich dabei einfach beheben, aber im Alltag und abhängig von der Persönlichkeit des jeweiligen Mitarbeiters fällt das ohne Unterstützung oft schwer. Zeit sowie eine gemeinsam definierte Vision, in der sich alle Teilnehmer wiederfinden, schaffen Abhilfe.

3. Online schafft Engagement

Motivation, Spaß und eine einfache Verfügbarkeit sind der Schlüssel für den Erfolg von Corporate-Health-Programmen. Das sporadische Buchen eines Fitness-Coachs reicht daher nicht aus, um langfristig positive Effekte beim Team zu erzielen. Stattdessen müssen die Mitarbeiter an relevanten Touchpoints in ihrem Alltag (privat und im Job) angesprochen und herausgefordert werden. Statt „Offline-Frontalunterricht“ anzubieten, können sich Entscheider den digitalen Zeitgeist zu Nutze machen. Neben dem stationären Internetzugang zu Hause nutzen 93 Prozent der Deutschen im Alter von 30 bis 49 Jahre ein Smartphone, um flexibel und ortsunabhängig zu surfen [2].

Auch 88 Prozent der Arbeitnehmer ab 50 Jahre greifen gern auf Online-Angebote zu, sofern sich die Inhalte einfach und unkompliziert abrufen lassen. Gute Lösungsansätze liefern hier digitale Gesundheitsprogramme, die sich nicht nur effizient und übergreifend in den Unternehmensalltag integrieren, sondern sich relativ einfach an neue Trends oder auch interne Entwicklungen (wie veränderte Altersstrukturen und Gesundheitskonditionen) anpassen lassen. Zusätzliche Gamification-Ansätze aus spielerischem Wettbewerb und attraktiven Boni schaffen Anreize und erhöhen nachweislich das Engagement der Nutzer.

Corporate Health und Employer Branding

Corporate-Health-Programme sind eine zukunftsorientierte Investition in die Gesundheit der Mitarbeiter. Allerdings stehen die Maßnahmen vor der Herausforderung, die tatsächlichen Risikogruppen (wie zum Beispiel Bluthochdruck, Übergewicht, falsche Ernährung) wirksam zu erreichen. Besonders webbasierte, personalisierte Angebote versprechen auch eine positive Wirkung für das Employer Branding in Zeiten der anspruchsvollen Generation Y. Unter Einsatz von Gamification, individuellen Wettbewerben, Wearables – im Rahmen des vollen Datenschutzes  – können übergreifend und zielgenau Mitarbeiter angesprochen werden. Eine Win-Win-Situation, die mittelfristig für Entscheider auch in einer ressourcenschonenden Entlastung spürbar sein wird.

Die Autorin:
Sabine Lichtenegger ist Expertin für Corporate Health und Head of Sales bei Deutschlands führendem Online-Fitnesstraining-Portal GYMONDO. Im Rahmen ihrer langjährigen Management- und Führungsaufgaben hat sie erfahren, wie wichtig es ist, das Wohlbefinden der Mitarbeiter zur Chefsache zu machen und auch so zu verstehen. Die passionierte Corporate Health und Sales Expertin begleitet seit nunmehr zwei Jahrzenten Unternehmen auf ihrem Weg zu einem vitaleren Arbeitsalltag.

Quellen:
[1] vgl. https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/Aktuell/iiia6/beschaeftigung-sozbe-zr-svb-alter/zr-svb-alter-d-0-xlsx.xlsx

[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/459963/umfrage/anteil-der-smartphone-nutzer-in-deutschland-nach-altersgruppe/

Weitere Informationen:
GYMONDO
www.gymondo.de

Bildhinweis:
Thema Corporate Health – Symbolbild (Quelle: pixabay.com / Composing: TM 2.0)

19.05.2017

2017-08-04T15:48:02+00:00